The Ass of the World Diary (formerly known as Gumpendorf Diary)
Nilous Notizen vom Arsch der Welt (ehemals Gumpendorf)
 
Nilou will jetzt schreiben...
 
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Nilou(Montag, 17. Nov 2008)
Kommentar zur Homepage: Die Legende lebt (noch)

Heilige Zeit. Da geht man für fünf Minuten in den Keller und schon ist ein Jahr um. Oder mehr. Verdammt lange Zeit. Ich habe vergessen, längst, was ich alles erzählt habe. Soll ich von vorne noch einmal? Oder einfach sagen, was ist? Nichts. That's it. Ich bin die hinterärmste Sau von überhaupt. Weil mit mir passiert aller exaktestens: nichts.

Ich bin jetzt frische dreieinhalb Jahre alt. Der Bimpf nennt mich in bekannter Einfalt "alte Schachtel". Dabei geht er selbst auf die 80 zu und ist in aller Ehrlichkeit auch kein Anblick von bleibendem Eindruck. Und wenn, dann ist es diese sich immer wiederholende Alptraumvorstellung, die man nicht los wird. Also ehrlich: Der Mann ist für die Fische. Und selbst für die zu wenig.

Ich hätte ja gehofft, dieses armselige Stück Mensch an die afrikanische Wildnis loszuwerden. Während ich ein paar Monate Rock'n Roll bei Mama feierte, war er in der Steppe. Aber leide. Er ist nicht einmal über ein Giraffenbeinchen gestolpert. Zurück wie immer. Oder sagen wir: fast wie immer. Optisch verlottert und geistig noch zwei Jahre hinten nach. Wir zählen jetzt bei unter Null.

Mein übermächtiger Feind heißt übrigens Gespenst. Er kommt jeden Abend, wenn ich schlafen gehe. Ich habe Gespenst noch nie gesehen, aber oft gehört und gerochen. Ich glaube, der Bimpf hat die Strumpfhose bis oben voll, wenn er seinen Namen ausspricht. "Nili, such den Gespenst", bibbert er dann. Todesmutig durchstreife ich dann den Garten. Auf der Suche nach Gespenst, der sich vor meiner beeindruckenden Erscheinung dermaßen fürchtet, dass er jedes Mal über alle Berge ist, wenn ich komme.

Ich werde vielleicht nicht ein Jahr warten bis zur nächsten Meldung. Sondern zwei. Wir haben uns einfach auseinandergelebt, mein Buch und ich. Aber bis dahin. Happy Everything und viel Gulaschsuppe,

Nili
 
Nilou(Samstag, 22. Sep 2007)
Kommentar zur Homepage:
Lange verschmähtes Buch,

die Ewigkeit hat auch ein Ende. Mathematisch völlig verblödet, dachte ich mir: ewig ist immer ist aus. Schwachsinn. Ich bin wieder da. Klappe halten ist nicht meines. Ich muss brüllen. Schreien geradezu.

Unter vorgehaltener Waffe (ich glaube, es war Hendl, der riesige Plastikvogel) verbot mir der Bimpf, auch nur eine Silbe zu schreiben. Riesenschweinerei. Was den Deutschen der Herbst 1977 ist mir der Sommer 2007. Aber: Jedes Regime hat ein Ende. Der Bimpf ist besiegt. Er liegt unter seiner Tastatur, gefesselt mit dem Maus-Kabel, während ich hier die Zeilen vertippsle.

Was ist passiert? Das Land ist das Land wie das Land. Der Bimpf träumt jetzt vom Norden. Er will weg. Ob das ein Zeichen ist, dass ich gewonnen habe? "Du kommst mit", brummt er dann und tut so, als hätte das alles nichts mit mir zu tun.

Im übrigen bin ich das größte Melde-Nüüül aller Zeiten. Ich bewache den Riederberg. All allone. Ich habe drei Eichhörnchen, zwei Drosseln und eine verlaufene Wüstenspringmaus in die Flucht geschlagen. Respekt. Vor mir. Meine abendfüllende Erscheinung lässt das Kleintiervolk erzittern.

Apropos zittern: Der Sommer ist hinüber. Schweinekalt wird's. Und weil mir der Bimpf täglich an die Perücke ging, mit Schere, Bürste und anderen Folterwerkzeugen, ist mir jetzt kalt. Ich suche schicke Oberbekleidung. Schnellstens. Denn angeblich wird der kommende Winter hart und unbarmherzig.

Es gibt übrigens noch eine Schlacht, die ich gewinnen muss: Die ums Bett. Der Bimpf kennt gar nichts und befördert mich allabendlich von seiner Schlafstätte. Fluch über ihn! Pudelt sich auf über Ente, Hendl und Co, die ich ihm unter der Decke verstecke. Und den vollgeschlatzten Kopfpolster (ok, ich sabbere ein wenig beim Schlafen).

Hasta la victoria

Nüüüüül
 
Nilou(Sonntag, 20. Mai 2007)
Kommentar zur Homepage:
Fast zerstörtes Büchlein,

Deine Tage sind gezählt. Beinahe bis vollständig. Dein speckiger Umschlag ist unansehnlich geworden, deine zerschlissenen Seiten erinnern an abgegriffene Klolektüre - und ehrlich: meine Bereitschaft, die immer wieder neue Gedanken zu spenden, ist allmählich den Bach runter. Was ich sagen will: Ich werde dich jetzt beiseite legen für einen Zeit. Du hast Ideen geschnorrt, Du hast den Bimpf von meinen Vorhaben informiert und mein blühendes Innenleben in aller Ignoranz nach außen getragen. Es genügt. Ich bin fertig mit Dir.

Ich bin jetzt zwei Jahre alt. Die Geschichten laufen im Kreis: Der Bimpf benimmt sich daneben (er hat mich zum Beispiel vergangene Woche bei Mama abgegeben, um für ein paar Tage an die griechische Sonne zu fliegen), schlittert von einer Katastrophe zur nächsten und nimmt mich als unschuldige Geisel immer wieder mit. Seine Strategien reichen so weit wie sein Blick, also selten weiter als bis zum Ende seiner Schirmkappe. Und Chefin steht daneben und tut in aller Verzweiflung das, was alle Menschen tun, wenn sie nicht mehr weiter wissen: nichts.

So ist es, dass ich Dir aus meiner Urwaldbehausung am Riederberg liebe Grüße schicke und Dich für ein paar Monate, Jahre, oder vielleicht für immer? - schließe.

Hasta siempre Nül

Nili
 
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