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Wagner’s Schlusspunkt…
…aus der Reihe „Sommerliche Lustbarkeiten und wie man sie erfolgreich bestreitet“:
Richtig Seminar besuchen
Man halte sich für einen passablen Pianisten. Gemäß dem Motto „Lebenslanges Lernen“ buche man ein 7-tägiges Jazz-Seminar, klappe den häuslichen Klavierdeckel zu und fahre gen Ostnordost. Man ergötze sich am sommerlichen Farbenspiel des Mühlviertels, durchquere Königswiesen und finde sich eine Handvoll hügeliger Kurven später im Waldviertel bzw. in dessen bergigstem Dorf Schönbach wieder.
Nach der Bewältigung des steilen Anstiegs zu den Seminarräumen in der örtlichen Hauptschule gebe man sich kurz der Illusion hin, das Schlimmste geschafft zu haben, ehe man eine halbe Klavierstunde später gewärtige, dass alles bisherige pianistische Streben nichtig war und von „Klavier spielen“ erst die Rede sein könne, wenn man den Tasten wenigstens 10 Prozent von dem zu entlocken vermag, was Referent Martin Reiter en passant aus dem Handgelenk schüttelt.
Nach diesem Kulturschock suche man den verwegen abschüssigen Gastgarten auf, bestelle wohl duftendes Gulasch, keile zweifingerdick Brot unter den Teller, um ein Talwärtsrinnen der kostbaren Speise zu verhindern und entwerfe Lebensplan B. Dieser sehe eine Unterbrechung musikalischer Aktivität nur noch für Nahrungsaufnahme und den allernötigsten Schlaf vor, auf dass keine Minute des restlichen Lebens grundlos jazzfrei gehalten werde.
Fürs Erste aber verschlinge man das weitere Seminar-Angebot in Schönbach und stelle fest, dass es sich punktgenau mit dem neuen Vorsatz deckt: Jazztheorie morgens um neun, Üben bis zwölf, Klavierstunde, Üben, Mittagessen, Üben, Ensemble-Probe, Üben, Abendessen, Üben, Jazz-Chor, Üben, Jam-Session. Letztere verlasse man anfangs als naiver Neuling noch vor Mitternacht, bleibe in der Folge täglich ein, zwei Sets länger, bis schließlich die ersten Sonnenstrahlen den Weg ins Quartier weisen.
Um 1 mitreißendes Referentenkonzert, 5 aufwühlende Klavier-Lektionen, 6 morgendliche Kater, 7 ausufernde Sessions, 19 neue Akkord-Verbindungen, 26 Stunden leidenschaftlichen Ensemblespiels und 137 ungelöste Rätsel („wie mocht des der Reiter?“) reicher, kehre man in die Stadt zurück, klappe den häuslichen Klavierdeckel wieder auf und lasse von früh bis spät nicht mehr von den Tasten ab. Die Umgebung aber warne man eindringlich: „Fahren Sie nicht nach Schönbach, es könnte Ihr Leben verändern!“